Potenzialanalyse und Energiesparmaßnahmen auf Kläranlagen

Förderprogramme für den Klimaschutz

Kommunale Klimaschutzmaßnahmen werden bereits seit dem Jahr 2008 im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert. Das im Oktober 2019 von der Bundesregierung beschlossene Klimaschutzprogramm 2030 enthält konkrete Maßnahmen, in denen auch der kommunale Klimaschutz weiter gestärkt werden soll.

Mittelfristiges Ziel ist das Senken der Treibhausgasemissionen  in  Deutschland  bis  zum  Jahr  2030  um  mindestens  55%  gegenüber  dem  Niveau  von 1990. Mit der novellierten Kommunalrichtlinie („Richtlinie zur Förderung von Klimaschutzprojekten im kommunalen Umfeld (Kommunalrichtlinie)“) vom 22. Juli 2020 werden für Kommunen und kommunale Eigenbetriebe strategische Förderschwerpunkte festgelegt. Eine Einreichung von Anträgen ist noch bis zum 31.12.2022 möglich, von einer Verlängerung / Fortschreibung des Förderprogramms über diesen Zeitraum hinaus ist aber auszugehen (u.U. dann aber mit veränderten Schwerpunkten und Förderkonditionen).

Folgende Maßnahmen können im laufenden Programm gefördert werden:

Strategische Maßnahmen

  • Fokusberatung Klimaschutz
  • Energiemanagementsysteme
  • Umweltmanagementsysteme
  • Energiesparmodelle
  • Kommunale Netzwerke
  • Potenzialstudien
  • Klimaschutzkonzepte und Klimaschutzmanagement


Investive Maßnahmen

  • Hocheffiziente Außen- und Straßenbeleuchtung sowie Lichtsignalanlagen
  • Hocheffiziente Innen- und Hallenbeleuchtung
  • Raumlufttechnische Anlagen
  • Nachhaltige Mobilität
  • Abfallentsorgung
  • Kläranlagen
  • Trinkwasserversorgung
  • Rechenzentren
  • Weitere investive Maßnahmen für den Klimaschutz

Nähere Informationen zu den einzelnen Maßnahmen sind hier zu finden

In Bezug auf Energiesparmaßnahmen und Klimaschutz auf Kläranlagen sind vor allem der Förderschwerpunkt 2.6, Potenzialstudien, aber auch 2.5 kommunale Netzwerke interessant.

Die Potenzialanalysen dienen dazu, zu ermitteln, mit welchen Maßnahmen die als Voraussetzung für eine investive Förderung angestrebten Zielkennwerte (Deckungsquote von min. 70 Prozent des Gesamtenergiebedarfs aus Eigenerzeugung, Energieeffizienz von 23 kWh/EW) langfristig erreicht werden können. Als Grundlage für die Erstellung der Potenzialstudien dient das DWA Arbeitsblatt A 216 – „Energiecheck und Energieanalyse – Instrumente zur Energieoptimierung von Abwasseranlagen“. Das Arbeitsblatt stellt einen umfassen Leitfaden dar, wie der Ist-Zustand der Abwasserreinigungsanlage zu bewerten ist, wie Strom- und Wärmebilanzen zu erstellen sind und wie sinnvolle Maßnahmen für die Energieeinsparung identifiziert werden können.

In den Studien soll explizit auch der Einsatz von erneuerbare Energien-Anlagen wie Photovoltaik oder Windkraft auf dem Klärwerksgelände mit untersucht werden. Aber auch wenn die genannten Zielwerte auf einer Anlage absehbar nicht erreicht werden können, ist die Beantragung einer investiven Förderung von energiesparenden Aggregaten etc. grundsätzlich möglich. In diesem Fall ist durch den Gutachter darzustellen, aus welchen sachlichen Gründen die Zielwerte nicht erreicht werden können. Dies kann z.B. dann der Fall sein, wenn das Einzugsgebiet oder die Lage der Kläranlage überproportional viel Pumpleistung erforderlich macht, so dass der Energiebedarf gegenüber vergleichbaren Kläranlagengrößen bereits grundlegend erhöht ist.

Die Durchführung von Potenzialanalysen, die zwischen dem 1. August 2020 und 31. Dezember 2021 beantragt werden, wird mit maximal 60 Prozent bzw. 80 Prozent für finanzschwache Kommunen gefördert. Die Mindestförderhöhe liegt bei 10.000 €, der Bewilligungszeitraum bei 12 Monaten.

Nach Abschluss der Potenzialstudie und Vorlage der Ergebnisse können Zuschüsse für investive Maßnahmen nach Punkt 2.13, Kläranlagen beantragt werden. Dabei kann es sich z.B. um die Erneuerung von Belüftungsaggregaten handeln (z.B. Umstellung von Walzen- auf Druckbelüftung bzw. Anschaffung energieeffizienterer Gebläse), oder die Erneuerung von Pumpen und Motoren (z.B. für Abwasserhebeanlagen, Rührwerke).

Unter dem Teilaspekt „Verfahrenstechnik“ lassen sich auch innovative Verfahren der Abwasserreinigung zur Reduktion des Energieverbrauchs fördern. Hierbei wird vor allem auf die Prozesswasserbehandlung (z.B. Trübwässer der Schlammbehandlung) abgezielt, um Belüftungsenergie bei der Stickstoffelimination einzusparen. Denkbar ist hier z.B. eine gezielte Deammonifikation der Prozesswässer (Teilstrombehandlung). Nach neuerer Rechtsprechung ist diese Art der Abwasserbehandlung aber auch nach §10 Abs. Abwasserabgabengesetz (AbwAG) förderfähig (vgl. OVG NRW, AZ 9 A 1401/18 vom 11.2.2021) förderfähig (Verrechnung der Investition mit der Abwasserabgabe).

Förderfähig ist für kommunale Kläranlagen auch die „Klärschlammverwertung im Verbund“. Hierbei sind Investitionen förderfähig (z.B. der Bau von Vorklärungen und Schlammannahmestationen), wenn diese dazu beitragen, dass z.B. Faulungsanlagen auf zentralen Kläranlagen besser ausgelastet werden können, wenn diese von Satellitenkläranlagen beliefert werden (Zentralisierung der Schlammbehandlung). Alle investiven Förderschwerpunkte können mit jeweils bis zu 200.000 € bezuschusst werden, bei einer Förderquote von maximal 40 Prozent bzw. 50 Prozent für finanzschwache Kommunen. Der Neubau einer Vorklärung und Umstellung auf Klärschlammfaulung wird davon abweichend mit einer Summe bis zu 500.000 € bezuschusst.

Eine Kombination unterschiedlicher Förderschwerpunkte ist möglich, es können also sowohl Gebläse erneuert werden als auch z.B. Prozesswässer der Kläranlage behandelt werden. Die Fördersummen addieren sich dann jeweils. Voraussetzung ist in jedem Fall eine Darstellung der energetischen Auswirkungen der einzelnen Maßnahmen in der vorgeschalteten Energieeffizienzanalyse / Potenzialstudie mit einer sachgerechten Begründung der notwendigen Maßnahmen durch den Gutachter.

Für den Förderschwerpunkt „Klärschlammverwertung im Verbund“ empfiehlt sich die Vorschaltung eines kommunalen Ressourceneffizienz-Netzwerks nach Punkt 2.5 der Richtlinie. Gefördert werden Aufbau, Betrieb und Begleitung des Netzwerks durch ein externes Netzwerkmanagement. Dabei werden sowohl Aufwendungen für den Netzwerkmanager und hinzugezogene Dienstleister als auch Sachausgaben für die Netzwerktreffen gefördert. Das kommunale Netzwerk dient dazu, Verbundpartner (in einem Umkreis von 50 km) zu ermitteln und an einen Tisch zu bringen, dient also als Schnittstelle zwischen technischer Ebene und Verwaltung der kommunalen Partner.

Ist eine Investition in Energieeffizienzmaßnahmen sinnvoll?

Kommunen und kommunale Eigenbetriebe tun gut daran, die angebotenen Fördermittel in Anspruch zu nehmen. Zwar ist bei Förderquoten von 40 – 50 % noch ein hoher Eigenanteil zu übernehmen, die Maßnahmen rechnen sich aber auch schnell durch die eingesparten Energieaufwendungen. Außerdem bietet die KfW mit dem Förderkredit 201, IKK – Energetische Stadtsanierung – Quartiersversorgung historisch niedrige Zinssätze von 0,1 % (Stand Mai 2021). Wie die beigefügte Musterberechnung zeigt, können z.B. für eine durchschnittliche 10.000 EW Kläranlage jährlich mehr als 15.000 € (Netto) an Stromkosten eingespart werden:

Potenzialanalyse und Energiesparmaßnahmen auf Kläranlagen 1

Gleichzeitig werden mehr als 30 t CO2eq. pro Jahr eingespart. Sicherlich keine Größenordnung, mit der der Klimawandel zu stoppen wäre. Aber es gibt in Deutschland rd. 10.000 Kläranlagen, und viele von ihnen können in Sachen Energieeffizienz noch zulegen und damit gleichermaßen etwas für den Klimaschutz tun als auch mittelfristig die Gebühren stabilisieren. Gerade, wenn es Aggregate auf Kläranlagen gibt, die in die Jahre gekommen sind und für die Ersatzinvestitionen in absehbarer Zeit ohnehin fällig werden, lohnt es sich, die Förderung in Anspruch zu nehmen. Und mancher Betreiber wird überrascht sein, welche Optimierungspotenziale sich auf seiner Kläranlage im Rahmen einer Analyse nach DWA A 216 noch auftun können.

Gerne berate ich Sie und Ihre Mitarbeiter, sowohl bei innerbetrieblichen Optimierungsmaßnahmen als auch bei der Durchführung von Energieeffizienzanalysen und der Beantragung von Fördermitteln.

Stefan Rehfus, Ingenieurbüro für BesserWasser, 10.05.2021

Potenzialanalyse

BesserWasser. Ingenieurbüro für Besserwasser. Göttingen.

Ingenieurbüro für Besserwasser. Göttingen.

Dipl.-Ing. Stefan Rehfus

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